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Rätselhafte „schwarze" Ablagerungen in Wohnungen - das „Fogging"-PhänomenDr.-Ing. H.-J. Moriske, Umweltbundesamt, BerlinIm Winter 1995/96 wurden zum ersten Mal Anfragen an das Umweltbundesamt gerichtet, in denen von plötzlich aufgetretenen rußähnlichen Staubablagerungen in Wohnungen berichtet wurde, die teilweise derart massiv auftraten, dass die Wohnungen aussahen, als hätten dort Schwelbrände stattgefunden. In keinem der gemeldeten Fälle konnte die Ursache für die Entstehung der Ablagerungen gefunden werden. Rückfragen bei den zuständigen Bezirksschornsteinfegermeistern bzw. bei den für die Installation der Heizungsanlagen in den betroffenen Häusern verantwortlichen Firmen ergaben keine weiteren Erkenntnisse, da Heizungsanlagen und Abgasführungssysteme, inklusive das Schornstein-Mauerwerk, in allen Fällen technisch in Ordnung waren und als Eintragsquelle ausschieden. Zudem waren in Mehrfamilienhäusern, in denen das „Staubphänomen" aufgetreten war, in der Regel nur ein oder zwei Wohnungen betroffen und nicht etwa das ganze Gebäude. Ein Eintrag durch größere Emittenten aus der Umgebungsluft (Kraftwerke, Industriebetriebe) schied ebenfalls in allen Fällen aus. Als sich die Anfragen in der Folgezeit häuften, hat das Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Umweltbundesamtes 1997 eine erste Fragebogenaktion durchgeführt. Über örtliche Gesundheits- und Umweltämter sollten Auftreten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des „Phänomens Schwarze Wohnungen", wie es in der Zwischenzeit bezeichnet wurde, abgefragt werden. Eine Auswertung der Fragebögen liegt vor und wurde an anderer Stelle publiziert [siehe Literaturhinweis]. Bis heute sind etwa 300 Fälle ausgewertet. Danach täten die Staubablagerungen fast ausschließlich während der Heizperiode (über 90 % aller Fälle) und plötzlich (über ca. 3-4 Wochen, in Einzelfällen innerhalb weniger Tage) auf. Die Wohnungen wurden zuvor, in der Regel in der vorausgegangenen Nicht-Heizperiode renoviert bzw. als Neubauwohnungen bezogen (ca. 90 % aller Fälle). In fast allen Fällen wurden die Ablagerungen als „schwarzgrau" und „ölig-schmierig" bezeichnet (ca. 90 % aller Fälle). Die Ablagerungen setzen sich vor allem an Wänden oberhalb von Wandheizkörpern, an Außenwandbereichen, Decken, Vorhängen und kunststoffhaltigen Oberflächen (Kunststoff-Fenster, Steckdosen, Lichtschalter, Küchen- und Radmöbel (in Küchenmöbeln sogar im Kühlschrank)) ab. Sie waren zu meist nur schwer, unter Zusatz von Tensiden oder mit „scharfen" Reinigungsmitteln zu entfernen. In vielen Fällen „verschwanden" die Ablagerungen in der nächsten Nicht-Heizperiode, in einigen Fällen traten sie allerdings in der darauffolgenden und weiteren Heizperioden erneut auf. Zum Zeitpunkt des Entstehens der Ablagerungen waren keine besonderen Emissionsquellen in den Wohnungen vorhanden. In einigen Fällen war das in der Vorweihnachtszeit übliche „Kontingent" von Weihnachtskerzen und/oder Öllämpchen verbraucht worden. (Offene) Kamine, Einzelofenanlagen etc. waren nicht vorhanden. Bei der Analyse von Inhaltsstoffen ergaben sich in den meisten Fällen keine Hinweise auf vermehrte Verbrennungsrückstände (Ruß und „PAK"). Dafür fand man vielfach höhersiedende organische Verbindungen, wie Weichmacher, langkettige Alkane, Alkohole und Carbonsäuren in den Ablagerungen. Aus der Fragebogenaktion, zusätzlichen Berichten von Fallbeispielen, verschiedenen Wohnungsmessungen etc., ergibt sich derzeit folgender Sachverhalt als mögliche Ursache für das „Phänomen der Schwarzen Wohnungen": Bei der Errichtung oder Renovierung der Wohnungen werden Produkte eingesetzt, die verstärkt höhersiedende organische Verbindungen (englisch „SVOC") in die Raumluft emittieren. Das Ausgasen der Verbindungen wird im Winter, wenn geheizt wird und wenn weniger oft gelüftet wird, beschleunigt. Die SVOC lagern sich an vorhandene Schwebstaubpartikel in der Luft an und führen zur Agglomeration kleinerer Staubteilchen zu größeren Partikeln. Diese setzen sich in Folge an verschiedenen Oberflächen ab, insbesondere an Außenwandflächen, Bereichen mit baulichen Mängeln („Wärmebrücken"), an Kunststoffoberflächen und im Bereich stromdurchflossener Leiter (Lichtschalter, Steckdosen, Elektrogeräte). Bereits aus früheren Studien ist bekannt, dass SVOC sich nach Freisetzung in der Innenraumluft verstärkt an kalten Flächen abscheiden können und dort schmierige Beläge bilden. In der Literatur ist dieser Vorgang als „Fogging"-Phänomen beschrieben [siehe Literaturhinweis]. Der Eintrag der SVOC in die Raumluft ist zwar der erste und wichtigste Schritt in der „Ursachenkette", genügt in den meisten Fällen aber nicht, um die Ablagerungen zu erzeugen. Dazu sind weitere Begleiterscheinungen notwendig, die sich folgendermaßen gruppieren lassen: - Bauliche Gegebenheiten (Wärmebrücken etc.), - Raumausstattung (Materialien, die zusätzlich Weichmacher abgeben, wie Laminat-, PVC-, Teppichböden, Paneele etc.), - Raumnutzung (Verwendung zusätzlicher Emissionsquellen für SVOC wie Öllämpchen, Kerzen etc.; Lüftungsverhalten), - Raumklima und Witterungseinflüsse (Luftfeuchtigkeit, Elektrostatik der Luft). Literaturhinweis: Hintergrundinformationen zu diesem Thema finden Sie im „Handbuch für Bioklima und Lufthygiene". Hrsg. H.-J. Moriske und E. Turowski. ecomed-Verlag, Landsberg 1998. 760 Seiten
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